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Völkermord an den Armeniern und an den Assyrern, Aramäern, Chaldäern, Syrern – 24.04.1915


Flüchtlingskinder haben sich nach Dohuk gerettet Foto: CAPNI

 

 

Demonstration für Christen im Irak und Syrien in Stuttgart (August 2014)  -  Foto: Janet Abraham (Handy)

(ho) Am 24. April 2015 ist der hundertste Gedenktag für den ersten

Genozid im letzten Jahrhundert an den armenischen Christen im Osmanischen Reich.  

 

Diesem Völkermord sollen schätzungsdweise 1,5 Millionen armenische Christen

zum Opfer gefallen sein.

Papst Franziskus hat vor wenigen Tagen den Tod der armenischen

Christen vor 100 Jahren als “ersten Völkermord im 20.Jahr-hundert” bezeichnet. 

Papst Franziskus erwähnt in diesem Zusammenhang auch die

katholischen und orthodoxen Syrer, die Assyrer, die Chaldäer

und die Griechen (Pontus Griechen).


Leider werden letztere Volksgruppen im Zusammenhang mit

dem Genozid von 1915 meistens vergessen,

obwohl auch diese Volksgruppen – Assyrer, Aramäer, Syrer,

Chaldäer -  vom Völkermord betroffen waren.

Etwa  500 000 Angehörige dieser religiösen und ethnischen

Volksgruppen verloren ihr Leben.


Das Trauma vom Völkermord 1915 ist bei den armenischen

und assyrischen, aramäischen, syrischen und chaldäischen

Christen nicht vergessen. Es ist bei ihnen nach wie vor aktuell.


Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches

lehnt die Bezeichnung “Völkermord” ab und spricht von einem

“Massaker”.


Die türkische Regierung meldet sich jeweils zu Wort, wenn in einem

Land der armenische Völkermord als “Völkermord” anerkannt wird

und will die Verantwortlichen in diesen Ländern zurecht weisen, nicht zuletzt

auch bei Papst Franziskus. Historische Einsichten und Wahrheiten können

aber nicht ungeschehen gemacht werden, sondern müssen anerkannt

werden.


Viele sprechen heute vom zweiten Völkermord, den die Christen im Irak

und in Syrien gegenwärtig durchleben müssen. Ich denke, sie haben recht.

 

 


Armenisc he Kirche “Achtamar” im Van See (10. Jhd.)

1915 kam es zu einem ungeheuerlichen Völkermord an den Christen im Osmanischen Reich, vor allem in Gebieten, die heute zur Türkei gehören. Hunderttausende Christen verloren ihr Leben. Wenn es in Zahlen ausgedrückt werden soll, dann sind etwa 1,5 Millionen armenische Christen und  etwa 500 000  syrische und griechische Christen (Assyrer, Aramäer und Pontos Griechen) bei diesem Völkermord umgekommen. Die Pontos Griechen lebten südlich vom Schwarzen Meer. Im Turabdin sollen etwa 100 000 Christen ihr Leben verloren haben.

Die damals Verantwortlichen in der Türkei gingen – oftmals unterstützt von den Kurden – rücksichtslos und grausam gegen die Christen vor. Die „Jungtürken“, die zu jener Zeit das politische Sagen hatten, wollten das Land „türkisieren“, also gleichsam von allen ethnischen und religiösen Minderheiten „säubern“.

Dass es auch einen Völkermord unter den Assyrern, Aramäern und den Pontos Griechen gegeben hat, wurde bislang in unserer Öffentlichkeit  oft vergessen – den Nachkommen der Betroffenen tut das weh. Es wird, wenn es um den Völkermord geht, meistens nur von den Armeniern gesprochen.

Wie aber der Missionar Dr. Johannes Lepsius (1858-1926), der Gründer der Deutschen Orientmission in seinen eigenen Berichten aus der Türkei damals erwähnte, handelte es sich nicht nur um die Vernichtung der Armenier, sondern um die „Ausrottung der Christen“ in der Türkei. Als Missionar hatte Lepsius verschiedene Waisenhäuser, soziale und medizinische Einrichtungen gegründet. Er schickte eigene und diplomatische  Dokumente, die ihm zugespielt wurden, an die Verantwortlichen des Deutschen Reiches  und machte dabei auf die traurige Situation der Christen aufmerksam. Seine mahnende Stimme wurde von den deutschen Politikern nicht gehört. So konnte der Genozid, so hart es klingt, an armenischen, syrischen und griechischen Christen im Osten der Türkei ohne viel Aufhebens durchgeführt werden.

Das alles liegt nun schon fast 100 Jahre zurück. Am 24.April 2015 ist der hundertste Gedenktag. Von offizieller türkischer Seite wurde bislang dazu geschwiegen. Ein erster Schritt, um dieses schreckliche Unrecht bewusst zu machen, ist jetzt kürzlich vom türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan gemacht worden. Zum ersten Mal hat die Türkei den Nachkommen der Opfer offen ihr Beileid übermittelt. Es hieß dort: Die Türkei wünsche sich, dass die Opfer in „Frieden ruhen“ (vgl. Schwäbische Zeitung 23.04.2014).

 

Die renovierte Kirche in Inwardo

Eine authentische Stimme aus Inwardo:

Vor Jahren(es war in den 90er Jahren) begegnete ich im Dorf Aynwardo im Turabdin Frau Maria. Sie wusste nicht, wie alt sie war; sie muss um die 90 Jahre alt gewesen sein. Sie ist in der Zwischenzeit gestorben. Frau Maria erzählte mir sinngemäß folgendes: Hör zu, sieh dir diese Kirche an. Sie war 1915 Zufluchtsort von tausenden von Christen, die ihr Leben vor den Jungtürken retten konnten. Sie hielt inne und schaute mich traurig an; dann sagte sie noch: Ich habe diesen Völkermord miterlebt. Ich war ein Kind und weiß noch, wie die Menschen sich damals in unsere Kirche flüchteten. Ich kann das nicht vergessen. Die Angst von damals steckt in mir bis heute; sie steckt in uns allen, die wir Christen sind und im Tur Abdin leben. – Langsam merkte ich: Ich stand einer „Zeitzeugin“ gegenüber, die das „Jahr des Schwertes“, den “Völkermord 1915″ miterlebt hatte.

 

 

Ob die Bundesregierung in Berlin am 100. Gedenktag (Freitag, 24.04.19015)

das Leid, das den armenischen Christen und das den Aramäern, Assyrern,

Syrern, Chaldäern und das den Pontus Griechen vor 100 Jahren

zugefügt wurde, endlich auch als “V Ö L K E R M O R D” anerkannt wird?

Ich denke, es wäre an der Zeit!

 

Weitere Informationen in dem Buch von Horst Oberkampf über den “Turabdin” – Berg der Knechte Gottes

Horst Oberkampf “Ohne Rechte keine Zukunft” – Die Syrischen Christen des Turabdin im Südosten der Türkei,

Erlanger Verlag für Mission u. Ökumene, 2011, ISBN 978-3-87214-528-4, Kosten: 19,80 EU,

besonders: Kapitel 8, Der Genozid  von 1915 – Ein Trauma für Aramäer und Assyrer, S. 104 ff

oder:

http://nordirak-turabdin.de/broschuren/

Zur Lage der Christen im Turabdin

Texte, Informationen, Bilder von Horst Oberkampf


 

 

 

 

Frau Maria aus Inwardo – eine Zeitzeugin für den Völkermord 1915

 

In der ZEIT lesen wir am 16.04.2015 über den “Völkermord” an den Armeniern:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/armenien-voelkermord-tuerkei-genozid-gauck

 

 



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