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Ethnische Säuberungen in Mosul – Bericht von GfbV 21.07.2014


Ein Wort voraus (ho)

Es ist nicht zu fassen! Seit 1700 Jahren wurden

in den Kirchen von Mosul  GOTTESDIENSTE

gefeiert.

Seit über einer Woche ist das nicht

mehr möglich, nur weil die ISIS ihre brutale

Macht einsetzt und die Menschen in Mosul so

unmenschlich behandelt, vor allem die Christen,

dass sie nicht mehr in Mosul bleiben können.


Wir sind zu tiefst traurig und denken an Euch!

 

 


 

Ethnische Säuberungen in Mosul – die Lage der Christen unter „IS“

Die Erbarmungslosigkeit der islamistischen Terrorgruppe „Islamischer Staat“ hat am vergangenen Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht. In Mosul, der größten Stadt unter der Kontrolle der „IS“, wurde Ende letzter Woche per Flugblatt ein Ultimatum an die letzten Christen Mosuls gestellt: „Flieht, ohne Gepäck, nur mit der Kleidung am Leib, oder wählt aus drei Optionen: Konvertierung, Sondersteuer oder Exekution durchs Schwert.“ Der christlichen Minderheit, welche schon vor über 1800 Jahren das Gebiet um Mosul bevölkerte, bleibt nun keine andere Wahl. Am Samstag lief das Ultimatum der Terrorgruppe aus, bis zu diesem Zeitpunkt hatten bereits die letzten Christen die Stadt verlassen. Nahezu alle Christen hätten sich für die Flucht entschieden, berichten auch lokale Journalisten. “Erstmals in der Geschichte des Irak gibt es in Mossul nun keine Christen mehr”, sagt der irakische Geistliche Louis Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, der seit langer Zeit in enger Verbundenheit zur GfbV steht. Der Patriarch warnte vor einer menschlichen und kulturellen Katastrophe.

Die sunnitischen Extremisten hatten die Millionenstadt Mossul Anfang Juni eingenommen. Seitdem flohen Tausende Christen vor dem IS-Terror. Dieser nimmt vielfache Formen an.

Islamische Extremisten der Gruppe „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) haben die Häuser und Grundstücke von Christen und Schiiten in der überwiegend von sunnitischen Arabern bewohnten Stadt Mossul mit verschiedenen Zeichen markiert. (Pressemittlung der GfbV vom 17.07.14) Christliche Immobilien waren mit dem arabischen Buchstaben „N“ markiert worden. „N“ steht für „Nasara“ und heißt übersetzt „Christen“. An andere Häuser und Läden wurde ein „R“ für „Rafidha“ geschrieben. Das bedeutet die „Ablehnenden“. Damit meinen die sunnitischen Islamisten Schiiten.

Das Internetportal „Ankawa.com“ berichtete am 19. Juli 2014, dass Sunnitische Moscheen in Mosul bei der Versorgung der Zivilbevölkerung helfen würden. Dabei sowohl Gasflaschen zur Energieversorgung als auch Nahrungsmittel austeilen würden. Hierbei würden von dieser Versorgung gezielt ausgeschlossen werden.

Gottesdienste in Mosul sind nicht mehr  möglich; so wurden bspw. am 13. Juli die Kreuze einiger Kirchen in Mosul entfernt, so auch von der Kathedrale Mar-Afram. ISIS bedroht offen unverschleierte Frauen, dazu gehören selbst gemäßigte Muslima. In Mossul verlangen die Extremisten von den verbliebenen Christen eine Kopfsteuer. Wer nicht zahlen kann, wird ausgepeitscht oder vertrieben, berichtet die katholische Nachrichten-Agentur. (Deutsche Welle, 24.Juni 2014)  Bis vor Kurzem befand sich in Mossul auch das Grab des Propheten Jona, von dessen Abenteuer im Bauch eines Wals die Bibel erzählt. Die IS zerstörte auch dieses Heiligtum mit Vorschlaghämmern. Auch das Erzbistum der syrisch-katholischen Kirche in Mossul wurde am 19. Juli verbrannt.

Alle Kirchen in Mossul seien mittlerweile geschlossen worden. “Uns liegen glaubwürdige Berichte vor, dass die Terroristen der ISIS in Mossul Menschen zu Hunderten abschlachten und die Leichen auf den Straßen liegen. Die Häuser werden geplündert”, so Missio-Mitarbeiter Voigt gegenüber der Deutschen Welle. In den Gebieten des „Kalifats“ riefen die Terroristen einen 16-Punkte-Katalog aus, so auch in Mossul. Hier verkündeten sie das Verbot von Alkohol, Rauchen, Glücksspiel, Gesang, religiösen Schreinen und Heilgenverehrung sowie des schiitischen Islam. Dieses „göttliche Gesetz“ beinhaltet angeblich schariagerechte Hinrichtungen, Kreuzigungen, Amputationen und Folter von vermeintlichen Heiden, Mördern, Verrätern, Ehebrechern, Dieben oder anderen “schlechten Muslimen”. Christen und Juden sind die größten Feinde, denn sie glauben nicht nur an Allah, ihnen wird auch unterstellt, den Islam vernichten zu wollen.

Die Region um Mossul gilt seit Jahrhunderten als das Zentrum des Christentums im Irak. Doch nun können Christen im arabisch dominierten Teil des Iraks kaum mehr ein sicheres Leben führen. Der chaldäische Bischof Paulus Zafar bestätigt diese Einschätzung der GfbV und befürchtet, diese Anschläge könnten dazu führen, dass der Exodus der Christen abgeschlossen wird. Er fordert die internationale Gemeinschaft zu Solidarität auf und bittet, das Christentum im arabischen Irak zu retten. Zuletzt haben Mitte Juni 2014 noch etwa 250 christliche Familien in Mossul gewohnt; man muss davon ausgehen, dass auch sie jetzt alle geflüchtet sind.

Irakisch-Kurdistan, dem Norden des Irak, droht eine humanitäre Katastrophe. Tausende Christen, Yeziden, Shabak, Schiiten und Sunniten sind auf der Flucht. Die Kurdengebiete im Nordirak, die in den vergangenen zwei Jahren in Folge der Aktivität der ISIS und des blutigen Bürgerkrieges  in Syrien bereits 275.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen haben, sehen sich nun mit einer neuen Flüchtlingswelle aus Mossul und anderen Gebieten des Iraks konfrontiert und haben mittlerweile mehr als 1 Million Flüchtlinge aufgenommen. (Siehe auch das Schrieben von Tilman Zülch, Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an die deutsche Bundesregierung vom 16. Juni 2014).

Die Kapazitäten der Region sind mehr als überlastet. Das bestätigte auch der Ministerpräsident der Regionalregierung Kurdistan (KRG), Nechirvan Barzani, gegenüber dem Beauftragten des UNHCR, Antonio Guterres, am 18. Juli 2014. „Unsere Region kann den Anstürmen von Flüchtlingen nicht mehr gerecht werden“, so Barzani. Er forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihren Verpflichtungen gegenüber den Flüchtlingen nachzukommen. Ganze Familien werden in Schulen, Dorfgemeinschaftshäusern und Kirchen untergebracht. Sie brauchen dringend humanitäre Unterstützung aus dem Ausland.

Des Weiteren warnt der Bonner Religionswissenschaftler Thomas Schirrmacher der Deutschen Welle gegenüber vor drohenden Konflikten in den kurdisch beherrschten nordirakischen Zufluchtsgebieten, einer der führenden Experten in Sachen Christenverfolgung. Zwar seien die Kurdengebiete “ein idealer Platz für die Christen, weil es dort friedlich und wesentlich rechtsstaatlicher zugeht”. Wegen gewaltiger Flüchtlingszahlen verschiebe sich jetzt aber das Machtgefüge in den Kurdengebieten. “Da ist die Sorge der Kurden sehr groß, dass sie eines Tages eine Minderheit im eigenen Gebiet sind”, so Schirrmacher im DW-Interview. Feindschaften seien die Folge, und Diskriminierung. “So erleiden die Christen eine doppelte Verfolgung.”

Jahr 2003 lebten noch eineinhalb Millionen Christen im Irak, davon über 50.000 in Mosul, so der Erzbischof der syrisch-katholischen Kirche in Mossul, Yohanna Petrus Mauche. Im Dezember 2013 waren es nur noch 300.000 im gesamten Irak und bis Donnerstag noch etwa 25.000 in Mossul. Jetzt haben auch die letzten Christen ihre Heimat verlassen müssen.

Währenddessen nehmen der Vormarsch und die Brutalität von IS auch in Syrien seinen Lauf. Im Nordwesten des Landes wurden am Wochenende bereits zwei Frauen wegen angeblichen Ehebruchs von den Terroristen gesteinigt. Die kurdisch-muslimische Enklave Kobani, von außen von allen Seiten abgeschnitten, wird zunehmend von den Extremisten bedroht.

Die sunnitische Opposition, sowohl in Syrien als auch im Irak sowie deren Schutzmächte, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar, dürfen nicht mehr schweigen und diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschehen lassen.

Quelle:
http://gfbvberlin.wordpress.com/2014/07/21/ethnische-sauberungen-in-mossul-die-lage-der-christen-unter-is/

– >>>>>>>>>>>>> Für Menschenrechte. Weltweit. <<<<<<<<<<<<<<< Gesellschaft für bedrohte Völker / Society for Threatened Peoples P.O. Box 20 24 – D-37010 Göttingen/Germany Nahostreferat/ Middle East Desk Dr. Kamal Sido – Tel: +49 (0) 551 49906-18 – Fax: +49 (0) 551 58028 E-Mail: nahost@gfbv.dewww.gfbv.de Besuchen Sie uns auf Facebook: www.facebook.com/bedrohteVoelker und https://www.facebook.com/KamalSiddo GfbV Berlin – der Blog: http://gfbvberlin.wordpress.com/ 

Danke für diesen Bericht und für die Veröffentlichung auf unserer homepage! (ho)


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