Forderungen aus der 19. Jahrestagung der „Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak am 11./ 12.2.2011 in Nürnberg
Nach Gesprächen mit Partnern aus dem Irak und Informationen aus erster Hand wurden auf der Jahrestagung der ökumenischen „Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak“ die folgenden Ziele und Forderungen formuliert. Die Politik in Deutschland wird gebeten, sich entsprechend für die Ziele bei der irakischen Regierung einzusetzen. Die Kirchen werden gebeten, sich in ökumenischer Solidarität mit den lokalen Christen um Hilfe zu bemühen.
Der Irak, insbesondere der Nordirak ist eine Heimat für Christen. Hier haben verschiedene Konfessionen seit vielen Jahrhunderten ihr Zuhause. Auch in Zukunft muss diese Region die Heimat von Christen bleiben. Dies setzt aber voraus, dass der Schutz für Christen, aber auch für andere religiöse Minderheiten und Ethnien von der Regierung in Bagdad und Erbil gewollt und garantiert wird. Dies ist die Voraussetzung für ein Leben in der angestammten Heimat.
Allen Bewohnern der Nineveh Ebene soll in naher Zukunft die Möglichkeit gegeben werden, in dieser Region über eine „Selbstverwaltung“ abzustimmen. Sollten sie sich für eine Selbstverwaltung entscheiden, müssen sich der irakische Staat einschließlich der kurdischen autonomen Region und die internationale Gemeinschaft für deren Einrichtung und Schutz einsetzen.
Um den im Nordirak beheimateten Christen zu helfen und um die christlichen Inlandsflüchtlinge (IDPs) in ihrer ursprünglichen Heimat neu zu verwurzeln, sind Kleinprojekte nötig z.B. Handwerksbetriebe, Kleinfirmen, Ausbau der Landwirtschaft, soziale Einrichtungen, Wohneigentum usw.
Durch die Projektmaßnahmen sollen die Christen zum Verbleib in der Region befähigt und Flüchtlinge zur Rückkehr in ihre Heimat ermutigt werden. Diese Maßnahmen sollen auch zur Integration aller Bevölkerungsgruppen beitragen.
Vielfalt und Schwerpunkte der Projekte muss mit den Betroffenen abgestimmt werden. Sie müssen an dem Aufbau ihrer Zukunft partizipieren.
Die Finanzierung soll aus dem Irak selbst, aber auch von internationalen und kirchlichen Organisationen gegeben werden.
Es müssen Strukturen überlegt werden, wie die Gelder verwaltet werden und wer sie verwaltet. Die Erfahrungen mit Controlling müssen dabei berücksichtigt und auch angewandt werden.
Ein wichtiger Bereich ist die Förderung der Schulbildung, der beruflichen Ausbildung und des Universitätsstudiums von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wesentlich sind dabei auch Transportmöglichkeiten für Jugendliche aus abgelegenen Dörfern, um am Bildungsangebot teilnehmen zu können.
Frauenorganisationen bieten eine Vielfalt von Themen, Kursen und Aufgaben an, die das ganze Leben der Frauen und ihrer Familien umfassen. Diese Organisationen müssen in Zukunft stärker in Blick kommen und unterstützt werden. Ihre Arbeit ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Frauen leisten ihren spezifischen Beitrag zum Aufbau einer Zivilgesellschaft im Nordirak/ Irak.
Die Gesundheitsversorgung muss weiter ausgebaut werden, insbesondere muss die Basisgesundheitsver-sorgung in abgelegenen Dörfern weiter gefördert werden. Die Traumaarbeit muss als Notwendigkeit in dem Basisgesundheitsdienst anerkannt werden. Viele Jugendliche und Erwachsene sind durch die Ereignisse der letzten Jahre traumatisiert und benötigen medizinische Hilfe.
Wir fordern die verantwortlichen Politiker auf, bei den Regierungen im Nordirak und in Bagdad auf den Schutz der Minderheiten zu dringen und so den Flüchtlingsstrom in die Nachbarländer und in das westliche Ausland zu stoppen.
Ferner bitten wir die Verantwortlichen in Kirchen und Politik, den Christen und anderen religiösen Minderheiten und Ethnien moralisch und finanziell zur Seite zu stehen und Mittel bereit zu stellen, diese Projekte zu realisieren. Mit der Verwirklichung dieser Projekte erhoffen wir uns, einen Beitrag für ein gesundes und friedliches Zusammenleben zwischen den verschiedenen Volksgruppen zu leisten. Es muss gelingen, dass die Christen in ihrer Heimat fest verwurzelt werden, damit sie dort bleiben können und dort auch ihre Zukunft sehen.
20.02.2011
Verantwortlich: Leitungsteam der „Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak“
Janet Abraham, München- Rudolf Bausch, Stuttgart – Horst Oberkampf, Bad Saulgau – Thomas Prieto Peral, München – Dr. Shabo Talay, Bergen/Erlangen – Ernst Ludwig Vatter, Stuttgart
Kontakt: Kirchenrat Thomas Prieto Peral, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, Referat für Ökumene und Weltverantwortung – Tel.: 089-5595516 -
email: thomas.prietoperal@elkb.de
Anliegen und Hintergrund der „Solidaritätsgruppe Turabdin und Nordirak“:
Als Christen unterschiedlicher Konfessionen unterstützen wir unsere Glaubensgeschwister im Turabdin und im Nordirak in ihrem Bestreben, eine bleibende Heimat in ihren traditionellen Siedlungsgebieten zu haben.
Dies tun wir durch Besuche, Hilfsprojekte, Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Artikel, Bücher, Briefe usw.), durch Kontakte zu Kirchenleitungen und politischen Entscheidungsträgern, Menschenrechtsarbeit und die Durchführung einer Jahrestagung.
Finanziell getragen wird unsere Arbeit durch Spenden und durch Zuwendungen der Evang. Kirchen in Bayern (München) und Württemberg (Stuttgart).
Weitere Informationen: www.nordirak-turabdin.info
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